Medienkritik: Less drama, please!

Wer gestern die Schlagzeilen der Tageszeitungen verfolgt hat, musste den Eindruck gewinnen, das Elektroauto sei ein Klimasünder reinsten Wassers. Schlimmer noch: Ein Wolf im Schafspelz, eine Dreckschleuder, die uns Autoindustrie und Bundesregierung auch noch dreist als Klimaretter verkaufen wollen.

Ein Skandal:

Öko-Institut bescheinigt Elektroautos schlechte Klimabilanz“ (WAZ); „Klimabilanz von Elektroautos mangelhaft“ (Focus); „Die schlechte Klimabilanz der Elektroautos“ (Spiegel); „Öko-Institut bescheinigt E-Autos miese Klimabilanz“ (Welt); „Elektroautos weniger gut fürs Klima als behauptet“  (Berliner Morgenpost); „Emissionen: Öko-Institut bemängelt Klimabilanz von Elektroautos“ (Zeit); „Benziner sind umweltschonender als Elektroautos“ (Taxi heute).

Ein vielzitierter Artikel in der taz behauptete sogar ausdrücklich, das Öko-Institut warne davor, dass der Ausbau der Elektromobilität zu mehr Klimabelastung führe.

Was war geschehen? Das Freiburger Ökoinstitut hat eine Studie zur „Optimierung der Umweltentlastungspotenziale von Elektrofahrzeugen“ veröffentlicht. Anders als die Schlagzeilen vermuten lassen, ist das Ergebnis aber weder eine Warnung, noch überraschend (ja, Strom kommt aus der Steckdose) oder skandalös. Und zwar nicht einmal im Geringsten. Hier die zentralen Ergebnisse als Auszüge:

1. „Für die Beantwortung der Frage, wie sauber Elektrofahrzeuge sind und ob sie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können, ist entscheidend, welcher Strom zum Einsatz kommt.“

2. „Die Klimabilanz von Elektrofahrzeugen ist nur dann ausgewogen, wenn zusätzliche Kapazitäten erneuerbarer Energien in den Strommarkt gebracht werden.“

3. „Elektroautos können eine Rolle für das Erreichen von Klimaschutzzielen spielen. Aber wir dürfen auch die konventionellen Pkw nicht aus den Augen verlieren. Werden benzinbetriebene Fahrzeuge bis zum Jahr 2030 deutlich effizienter, können diese allein die Treibhausgasemissionen des Pkw-Verkehrs um 25 Prozent reduzieren.“

4. Beim Betrieb von Elektroautos könne intelligentes Lademanagement gezielt die Nutzung von Ökostrom für das Aufladen der Batterien fördern.

Wer die sachlichen und differenzierten Befunde des Originals liest, kann sich über die Berichterstattung nur wundern. Oder ärgern. Sie zeigt, wie die Neigung der Medien zuzuspitzen, zu pauschalisieren und zu dramatisieren in geradezu aufreizender Weise die wahren und richtigen Aussagen der Studie verdreht. Diese Art von Energiejournalismus leistet jedenfalls keinen konstruktiven Beitrag zum Umbau des Energiesystems.

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