Nachteule oder Steady-Eddy – welcher Energieverbrauchstyp sind Sie?

Mit Hilfe von Smart Metern lässt sich eine individuelle Stromverbrauchskurve für jeden Haushalt aufzeichnen. Ein amerikanisches Unternehmen hat über einen 24-Stunden-Zeitraum rund 800.000 Nutzerdaten ausgewertet und dabei im Wesentlichen fünf Energieverbrauchs-Typen identifiziert. Hilft uns das beim Energiesparen?

Der „Steady-Eddy“, läuft quasi unter Dauerlast. Sein Stromverbrauch bleibt über 24 Stunden annähernd konstant. Ganz anders der Daytimer oder die Nachteule. Der eine braucht zwischen 8.00 und 16.00 Uhr den meisten Strom, der andere erreicht den Peak erst zwischen 20.00 und 24.00 Uhr. Ihre Verbrauchskurven verlaufen übrigens interessanterweise fast spiegelbildlich. Daneben gibt es noch das Verbrauchsmuster „Twin Peaks“ und den „Evening Peaker“.

Eine nette Spielerei oder ein ernstzunehmendes Hilfsmittel beim Stromsparen? Grundsätzlich ist es natürlich sinnvoll, sich mit seinen eigenen Verbrauchs-gewohnheiten auseinanderzusetzen. Steady-Eddy sollte es z.B. zu denken geben, dass seine Grundlast eigentlich immer, d.h. Tag und Nacht annähernd gleich bleibt. Mit Sicherheit kann er Strom sparen, wenn er tagsüber das Licht ausmacht, bestimmte Geräte zwischendurch einfach abschaltet oder den Stecker zieht. Auch im Standby-Modus brauchen Elektrogeräte Strom. Der Evening-Peaker müsste dagegen anders ansetzen. Er müsste überlegen, wie er seine Spitzenlast am Abend senkt, etwa indem er energiesparende Diodenleuchten installiert oder die Wachmaschine mit niedrigeren Temperaturen waschen lässt.

Aber lässt sich damit in größerem Umfang Strom und Geld sparen? Wir sind da ein bisschen skeptisch. Bei einem großangelegten Smart-Meter Testprojekt in Deutschland war der Stromverbrauch von Haushalten mit Smart Meter nur minimal geringer als der von Haushalten, die mit herkömmlichen Zählern ausgestattet waren. Das zeigt, was wir an anderer Stelle schon einmal beschrieben haben: Ein Smart-Meter kann den smarten Verbraucher nicht ersetzen. Er macht den Stromverbrauch lediglich transparent. Natürlich hilft es, sein Verbrauchsverhalten zu kennen. Sparen muss allerdings immer noch jeder selbst und vor allem: Man braucht dazu Willen und Disziplin. Wie das geht? Auch hier verweisen wir gerne nochmal auf ein älteres Posting.

Strom vom Telefonanbieter? Die Zukunft gehört der Elektrokom-Branche!

Die großen Energieversorger suchen nach Ihrer Rolle in einem sich dramatisch wandelnden Markt. Michael Liebreich von Bloomberg Energy Finance hat eine Idee: Energieversorger und Telekom-Unternehmen sollten sich zusammentun.


„A horrible place to be in“ – so nennt der Liebreich in einem Interview die aktuelle Position der großen Energieversorgungsunternehmen. Das stimmt. Gerade in Deutschland wie auch in vielen anderen westlichen Ländern befindet sich der Energiemarkt im Umbruch. Der Trend geht weg von zentralen Groß-Versorgern hin zu neuen, dezentralen Versorgungs-Einheiten. Mit der bloßen Energieerzeugung aus zentralen Großkraftwerken lässt sich deshalb nicht mehr das große Geld verdienen. Schon jetzt gibt es Überkapazitäten am Strommarkt, so dass der Börsenstrompreis dramatisch sinkt. Mit der Zunahme dezentraler (und erneuerbarer) Energieversorgung wird sich dieser Trend noch verstärken.

Entsprechend befinden sich die großen Energieversorger in einer tiefgreifenden Krise. Sie haben das inzwischen auch erkannt und versuchen mehr oder weniger händeringend, sich neu zu erfinden. Zumindest in Deutschland haben sämtliche großen Vier Strategiewechsel angekündigt und dabei – man höre und staune – den Kunden in den Mittelpunkt gestellt. Am deutlichsten hat dies Eon getan. Das Unternehmen hat dazu einen ganzen Geschäftsteil abgespalten, in dem kundenorientierte Dienstleistungen künftig das Hauptgeschäft ausmachen sollen.   

In diese Richtung denkt auch Liebreich. Denn nur dort – an der Schnittstelle zum Kunden – so prophezeit er, liegt das margenträchtige Geschäft, und dort werden auch Innovationen stattfinden. Angesichts stagnierender oder sogar rückläufiger Nachfrage gilt: Nur wer auf Kundenseite intelligente Konzepte und Dienstleistungen anbietet, etwa im Hinblick auf Beschaffung und Verbrauchsmanagement oder die Installation, Wartung etc. der damit verbundenen Systeme, wird auch künftig Geld verdienen. 

Solche kundenbezogenen Dienstleistungen haben allerdings einen fundamental anderen Charakter als die eines Energieerzeugers. Sie sind serviceorientiert und kommunikationsgetrieben – und ähneln damit stark denen von heutigen Telekommunikationsunternehmen, Auch im Hinblick auf die Markt- und die technische Entwicklung gibt es Parallelen: So hat der Telekommunikationsmarkt ebenfalls einen grundlegenden Strukturwandel hinter sich – von einer monopolistischen Struktur mit einem staatlichen Fernmeldebetrieb hin zum Wettbewerb mit einer Vielzahl von innovationsgetriebenen Dienstleistern. Gleichzeitig wird auch hier eine überkommene, eher zentralistisch organisierte Technik – das Festnetz – zunehmend verdrängt durch den flexibleren Mobilfunk.

Deshalb prophezeit Liebreich, dass schon bald der erste Energieerzeuger mit einem Telekom-Unternehmen fusionieren wird, um sich das entsprechende Know-how zu sichern. Um auch davon zu profitieren, hat sich Liebreich – zumindest für die englischsprachige Welt – schon mal vorsichtshalber ein paar Internet-Domains gesichert (Telectro.com, electrocom.com). Seine Absicherung für den Ruhestand, wie er sagt. Wir finden die Idee sehr plausibel und denken schnell mal über ein paar deutsche Domain-Namen nach – die wir aber natürlich hier im Blog nicht verraten!

Urban (Energy-)Gardening: Die Stadt der Zukunft versorgt sich selbst!

Salat, Kartoffeln, aber auch Strom und Wärme – die Stadt der Zukunft produziert das alles selbst. Was nach Utopie oder Aprilscherz klingt, ist in Wahrheit gar nicht so abwegig. Schon jetzt lassen sich gewöhnliche Stadthäuser in leistungsfähige und hocheffiziente Kleinkraftwerke verwandeln. Weitgehende Selbstversorgung mit Energie in der Stadt ist sinnvoll und möglich. Die Urban Gardening-Bewegung zeigt, wie es geht.

Urban Gardening in Großstädten, d.h. der Anbau von Nutzpflanzen auf städtischen Grünflächen, Balkonen, Hausdächern etc. liegt voll im Trend. Dabei ist das Phänomen nicht neu. Erfinder waren keineswegs ein paar Hipster, die in angesagten Städten angefangen haben, auf Grünstreifen Blumen zu pflanzen. Urban Gardening gibt es, seit es Städte gibt.

Schon im alten Rom existierten es ganze Stadtteile, die für den Anbau von Lebensmitteln vorgesehen waren. Das war und ist praktisch und effizient: Gerade frische, schnell verderbliche Lebensmittel brauchten kurze Transportwege. Und in Krisenzeiten, wie z.B. bei Belagerungen oder Blockaden war die Fähigkeit von Städten, sich selbst zu versorgen, überlebenswichtig. So wurde etwa im zweiten Weltkrieg die Stadtbevölkerung in den USA, Großbritannien und Deutschland aufgefordert, jede verfügbare Fläche für den Anbau von Nahrungsmitteln zu nutzen.

Platz sinnvoll nutzen

Die Idee hinter Urban Gardening ist bestechend einfach: Es geht darum, vorhandenen Platz sinnvoll zu nutzen. Anstatt eine Fläche zuzubetonieren oder sie zur bloßen Zierde und Repräsentation zu begrünen, könnte sie ebenso gut zum Anbau von Lebensmitteln genutzt werden. In jüngster Zeit kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu: Der technische Fortschritt. Stadtplaner, Biologen und Agrarwissenschaftler haben in den letzten Jahren ausgeklügelte Konzepte entworfen, wie städtische Räume zum Anbau von Lebensmitteln genutzt werden können. Ein Beispiel ist Aquaponic, bei dem in einer Art geschlossenem Kreislauf Fischzucht und Nutzpflanzenanbau verbunden werden.

Die Parallele zur Entwicklung auf dem Energiemarkt liegt nahe: Auch hier wird die Technik immer besser, kleiner und effizienter. Dies ermöglicht dezentrale Energieerzeugung auf kleinstem Raum und zwar direkt dort, wo sie gebracht wird. Platz dafür steht in den Städten auf Hausdächern und in Heizungskellern reichlich zur Verfügung. Schon jetzt lässt sich durch Blockheizkraftwerke im Keller und Photovoltaik auf dem Dach ein Großteil des Energiebedarfs eines Gebäudes abdecken – und sogar zusätzlich noch Strom ins Netz einspeisen. Die weitgehend autarke Energieversorgung unserer Städte ist also alles andere als eine Utopie. Wie Sie Ihre Immobilie zu einem Kraftwerk machen, zeigen wir Ihnen gerne hier. Und unter diesem Link können Sie sehen, wie ein von uns geplantes urbanes Kraftwerk in der Düsseldorfer Innenstadt aussieht.

Blockheizkraftwerke sind hip!

Soweit, so vernünftig. Vernunft allein führt jedoch in den seltensten Fällen zum Siegeszug einer Idee. Entscheidend ist noch etwas anderes. (Energetische) Selbstversorgung wird sich nur durchsetzen, wenn sie auch hip ist. Das wird sie zum Glück mehr und mehr. Insofern haben die Hipster wichtige Pionierarbeit geleistet: Selbstversorgung ist schick und Teil eines neuen, urbanen und bewussten Lifestyles. Wenn dazu bald auch das eigene Blockheizkraftwerk gehören würde, wäre das ein Riesenfortschritt. Zugegeben: So richtig hip klingt „Blockheizkraftwerk“ nicht. Wenn es der Sache dient, könnte man es ja vielleicht noch umbenennen – in „Urban Powerhouse“.

Nicht mehr nur dagegen: Der Anti-Atomkraft-Button fürs Establishment

„Atomkraft – nein danke!“ – als Aufkleber oder Ansteck-Button zierte dieser Slogan seit den achtziger Jahren VW-Bullis, Wagenburgen sowie die Parkas von Hausbesetzern und Erster-Mai-Demonstranten. Heute ist die Anti-Atomkraft-Bewegung in Deutschland längst im Mainstream angekommen. Viele der linksalternativen Demonstranten und Hausbesetzer von einst gehören inzwischen als stolze Eigenheimbesitzer zum Establishment. Und genau für die gibt es jetzt einen neuen Button:

Denn: Establishment und Eigenheimbesitzer sein heißt nicht, dass man sich dem bestehenden System unterwirft oder gar nichts mehr für eine bessere (Um)Welt tun kann. Im Gegenteil: Jeder Heizungskeller zählt. Und aus dieser Erkenntnis speist sich die neue Bewegung. Ihr Erkennungszeichen ist nicht mehr VW-Bulli, Parka und Sonnenblume, sondern die Photovoltaikanlage auf dem Dach oder das Blockheizkraftwerk im Keller. Sie kämpft nicht mehr gegen Atomkraft sondern für dezentrale Energieversorgung, d.h. für Unabhängigkeit von großen Stromkonzernen und eine saubere Umwelt.

Dezentrale Energieerzeugung ermöglicht Verbrauchern, sich vollständig oder zumindest teilweise vom überkommenen und oligopolistisch geprägten Energieversorgungssystem abzukoppeln und ihren Strom selbst zu erzeugen. Das führt zu einer Demokratisierung der Energiewirtschaft.

Darüber hinaus schont es die Umwelt: Photovoltaikanlagen arbeiten mit null Emissionen, Blockheizkraftwerke mit moderner Kraft-Wärme-Kopplung erreichen Wirkungsgrade von mehr als 90 Prozent. Bei herkömmlichen zentralen Kraftwerken liegt der Wirkungsgrad bei rund 50 Prozent. Und weil dezentrale Anlagen Energie, d.h. Strom und Wärme, direkt dort erzeugen, wo sie verbraucht wird, entstehen keine Transportverluste. Das bringt noch mehr Effizienz und macht die erzeugte Energie für die Nutzer sehr günstig.

Die Bewegung wächst: Schon mehr als 80 Prozent der in Deutschland installierten Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien befinden sich nicht mehr in der Hand traditioneller Energieversorger – Tendenz steigend. Wann werden Sie Teil der Bewegung?

Sensationelle Kehrtwende: E.ON setzt künftig auf “Kundenlösungen”

Mit der Ankündigung, sich von seiner klassischen Kraftwerksparte zu trennen, hat der Energieversorger E.ON alle überrascht. Statt auf Großkraftwerke will der Konzern künftig vor allem auf Kundenlösungen und „die neue Energiewelt“ setzen. Der Schritt ist überfällig und richtig. Einige interessante Fragen bleiben allerdings offen.

In einer Pressekonferenz am 1. Dezember ließ Deutschlands größter Energieversorger E.ON die Bombe platzen: Das Unternehmen will sich künftig auf Erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen (sic!) konzentrieren. Die Geschäftsfelder konventionelle Erzeugung, globaler Energiehandel und Exploration & Produktion sollen deshalb abgespalten und in eine neue, eigenständige Gesellschaft konzentriert werden, die an die Börse gebracht werden soll.

(Quelle: E.ON SE, http://www.eon.com/de/presse/presse-konferenzen/archiv/2014/12/1/pressekonferenz-zur-neuen-konzernstrategie.html)

Natürlich hat diese Ankündigung ein wahres Rauschen im Blätterwald erzeugt. „E.on und E.off“ tauft die Süddeutsche Zeitung die beiden künftigen Unternehmen, der Economist variiert „E.on and E.out“. Insgesamt reichen die Reaktionen der Presse von Lob über Schadenfreude bis zur Kritik an der Energiepolitik der Bundesregierung, die diesen Schritt erzwungen hat, etwa in der FAZ. Wir meinen: Der Strategiewechsel war ein mutiger und überfälliger Schritt. Dezentralen Versorgungslösungen gehört die Zukunft – das Zeitalter der Großkraftwerke neigt sich dem Ende zu.

E.ON entdeckt den Kunden

Wer in der neuen Strategie auffallend häufig auftaucht, ist „der Kunde“. In seinem Statement spricht E.ON-Vorstand Johannes Teyssen von einer „neuen Energiewelt“, die gekennzeichnet ist von „Schnelligkeit, Innovation und Digitalisierung“. In dieser Welt wollen die Kunden eine „aktivere Rolle bei der Gestaltung ihrer individuellen Energieversorgung“ spielen. Deshalb will E.ON „Kundenlösungen“ anbieten, „Kundennähe“ sei ein „entscheidender Erfolgsfaktor“. Soweit, so richtig. Man fragt sich allerdings: Wenn E.ON sich erst jetzt auf den Kunden konzentriert – woran hat man sich vorher orientiert? Offenbar war das bislang nicht so notwendig.

Und so können wir uns als notorischer Anbieter von Kundenlösungen ein klein wenig Häme dann doch nicht verkneifen. Immerhin ist es auch gar nicht lange her, dass E.ON-Chef Teyssen Eigenstromerzeuger (also seine künftigen Hauptkunden) in einem Interview als „Schwarzbrenner“ bezeichnete und damit dezentrale Stromerzeugung in eine halblegale, zumindest moralisch fragwürdige und unsolidarische Ecke zu drängen versuchte. Dabei war E.ON zu dieser Zeit bereits selber klammheimlich unter die Schwarzbrenner gegangen. Und jetzt? Jetzt macht E.ON die Positionierung als Dienstleister für eben diese Schwarzbrenner zum Kernpunkt der neuen Unternehmensstrategie. So etwas nennt man Kehrtwende.

Aktionäre gesucht

Dennoch muss man E.ON für seinen radikalen Strategiewechsel Respekt zollen. Die Verwerfungen im Energiemarkt sind gewaltig und haben in kürzester Zeit die Geschäftsgrundlage der Großversorger radikal verändert. Ein derart großes Unternehmen auf diesen Wechsel einzustellen ist kein leichtes Unterfangen.

Allerdings bleiben noch einige interessante Fragen offen. So zum Beispiel, wer die Aktien für die abgespaltene Kraftwerk-Sparte kaufen soll. Das Handblatt meint spitz, die Papiere seien etwas für Investoren, die seit Beginn der Energiewende keine Zeitung gelesen haben. Viele vergleichen das neue Unternehmen mit einer „Bad Bank“. Statt toxischer Wertpapiere sollen hier veraltete Technologien gebündelt und abgewrackt werden. Andere Analysten sehen durchaus eine Perspektive und verweisen darauf, dass das neue Unternehmen schuldenfrei ist und über ausreichend Rücklagen verfügt, um den Ausstieg aus der Kernenergie zu finanzieren. Es wird in jedem Fall interessant sein, zu beobachten, wie sich dieses Unternehmen und sein Aktienkurs in den nächsten Jahren entwickeln.

Was machen die anderen?

Interessant wird auch sein, wie die anderen „Großen“ reagieren – RWE, EnBW und Vattenfall. RWE hat offenbar nicht vor, sein grundsächliches Geschäftsmodell in naher Zukunft aufzugeben und will seine Kohlekraftwerke nicht kampflos aufgeben. Das Unternehmen setzt auf einen sanften Wandel, d.h. es will grüner und flexibler werden und dabei gleichzeitig Großkraftwerke weiter betreiben. EnBW fährt eine ähnliche Strategie, während Vattenfall schon vor längerer Zeit angekündigt hat, sich von seiner Braunkohle-Sparte zu trennen. Welche Strategie sich als die richtige erweist, werden die nächsten Jahre zeigen. Klar ist, dass zumindest alle großen Versorger die Zeichen der Zeit erkannt haben.